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Gewerkschaftliche Frauenpolitik aus Sicht der SSM-Frauenkommission

Frauenpolitik kann ganz allgemein zwei Wege einschlagen. Sie kann sich nur um die sogenannten typischen Frauenpostulate kümmern, wie z.B. die Lohngleichheit für Frauen in den Betrieben, die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz. Schon mit dieser Aufzählung beginnen aber die Schwierigkeiten. Ist die Lohngleichheit für Frauen erfüllt, wenn für die genau gleiche Arbeit der gleiche Lohn bezahlt wird? Sicher nicht, denn es existiert nach wie vor ein segregierter Arbeitsmarkt mit typischen Frauen- und Männerarbeitsplätzen. Die Frauenarbeit ist meistens unterbezahlt, nur Neubewertungen dieser Arbeiten können die Lohndiskriminierung mindern.

Umfangreicher Themenkatalog

Genügt es beim Kampf gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Massnahmenkataloge in den Betrieben zu verabschieden? Sicher nicht, denn es ist eine gesellschaftliche Problematik, die durch die ungleiche Machtverteilung zwischen den Geschlechtern, die sexuelle Gewalt fördert, hervorgerufen wird und deswegen viel umfassender als nur mit Reglementen bekämpft werden muss. Kann die Diskriminierung am Arbeitsplatz unabhängig von Gesetzesbestimmungen in unserem Staat und unabhängig von der gerechten Beteiligung von Frauen in allen Entscheidungsprozessen in Gewerkschaften, in der Wirtschaft und im Staat bekämpft werden? Sicher nicht, in diesem Zusammenhang muss auch über eine Umverteilung der Erwerbsarbeit und der unbezahlten Betreuungs- und Sozialarbeit zwischen Frauen und Männern diskutiert und Lösungen gefunden werden. Ohne diese Umverteilung bleibt die Gleichstellung der Geschlechter Fiktion. Schon dieser Fragekatalog und die Antworten darauf zeigen, dass sich eine gewerkschaftliche Frauenpolitik, die diesen Namen verdient, um sehr vieles kümmern muss.

Private Medien sind diskriminierungsanfällig

Die SSM-Frauenkommission will einen Weg einschlagen, der eine gewerkschaftliche Frauenpolitik aus ganzheitlicher Sicht formuliert. Deshalb ist sie überzeugt, dass sie sich mit allen Fragen, die im SSM und in den Gewerkschaften allgemein diskutiert und entschieden werden, beschäftigen muss. Wenn das SSM die neusten Entwicklungen in der Medienpolitik bespricht und gegen die Gefahren von Privatisierungen ausserhalb der SRG Strategien entwickelt, ist das auch ein Thema für die Frauen. Es gibt hier ganz spezielle Frauenprobleme. Als Beispiel sei nur erwähnt, dass in den Lokalradios und Lokal-TV oft ungesicherte, vertraglich schlecht abgestützte Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Lohntransparenz ist nicht gewährleistet und der Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern Tür und Tor geöffnet.

Frauen dürfen Entwicklungen in der neuen Technologie nicht verpassen

Die Entwicklung von neuen Technologien im Multimediabereich ergeben ebenfalls spezielle Probleme für Frauen. Der Bereich der Dokumentation steht vor grossen Umwälzungen, hier arbeiten speziell viele Frauen, die davon betroffen sind. In der Technik sind die Frauen meistens weniger gut ausgebildet als die Männer, sie werden bei der Digitalisierung als erste ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn nicht spezielle Weiterbildungsprogramme angeboten werden. Die internationale Vernetzung über Internet und Datenautobahnen bringt eine Revolution im Kommunikationsbereich. Informationsaustausch und -beschaffung und die damit zusammenhängenden Industriebereiche werden in den hochindustriealisierten Ländern der wichtigste Wirtschaftszweig der Zukunft. Gesellschaftliche Schichten, die von diesem Prozess abgekoppelt sind, werden entweder aus dem Arbeitsmarkt herausgedrängt oder müssen sich mit sehr schlecht bezahlten Arbeitsplätzen zufrieden geben. Sie sind auch vom Informationsaustausch ausgeschlossen, der erst eine Partizipation bei allen Entscheidungen der Gesellschaft ermöglicht. Die Frauen sind hier besonders gefährdet, weil sie bei neuen Wirtschaftsentwicklungen meist nicht einbezogen sind und noch mehr als bisher abgekoppelt werden können. Diese Entwicklung dürfen die Gewerkschaftsfrauen nicht verschlafen, sie müssen sich einmischen und die Multimedialisierung kritisch begleiten.

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