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Können gewisse Print-Journalisten eigentlich rechnen?

Demnächst wird der Bundesrat über den SRG-Finanzbedarf entscheiden. Etliche Medien können der Verlockung nicht widerstehen, ein durchsichtiges Kesseltreiben gegen die SRG zu entfachen, mitunter garniert mit lockeren Anwürfen an ihr angeblich privilegiertes Personal. Doch manche, die wacker in die Tasten greifen, können leider nicht rechnen. Das Märchen von den «explodierenden Personalkosten» ist der Beweis.

Weltwoche: Golfplatz-Experte Kurt W. Zimmermann, der bei TV3 hautnah erlebt hat, wie man Millionen in den Sand setzt, behauptet in der Weltwoche, er «habe noch nie eine Führungskraft in den Medien erlebt, die derart wenig Ahnung von Zahlen hat wie Roger de Weck». Zudem versteigt er sich zur Aussage, die Personalkosten der SRG seien seit 2005 «explodiert». Seine Zahl: + 80 Millionen.

Saldo: Silvio Bertolami hat weniger Fantasie als Zimmi, aber auch er ist kein Adam Riese. Für den gleichen Zeitraum, den der Weltwoche-Autor angibt (2005 – 2009), kommt er im Artikel «Die SRG hat zu viel, nicht zu wenig Geld» auf folgende Zahl: + 70 Millionen. Leider hat’s im «Beobachter», wo gleich 3 Autoren auf die SRG losgelassen wurden, keine entsprechende Schätzung. Aber der Titel (Der Koloss muss abspecken) ist aussagekräftig genug.

Die Reihe liesse sich fortsetzen. NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann zum Beispiel behauptete am 10. Juni, die Personalkosten seinen in den letzten fünf Jahren (2005 – 2009) um 60 Millionen «explodiert». Doch die NZZ hat zum Glück einen Medienredaktor, der zum Thema SRG SSR nicht pro domo, sondern sachlich schreibt. Zwei Tage zuvor hat er die zwei Faktoren genannt, die den Anstieg der Personalkosten weitgehend erklären. Erstens die Teuerung, die dem SRG-Personal zwar nicht voll ausgeglichen wurde, aber selbstverständlich zu Mehraufwendungen führte. Zweitens die Integration von 65 Vollzeitstellen der Tochtergesellschaft Swiss TXT (Teletext), was zur Folge hat, dass diese Kosten neu in der Rechnung des Stammhauses SRG auftauchen.

Des Rätsels Lösung

Wie aber lautet die richtige Zahl, welche die behauptete «Explosion» entschärft? Alle, die nicht blind bzw. voreingenommen sind, finden sie auf Seite 116 des SRG-Geschäftsberichts 2009. Dort steht:

Personalaufwand 2005: 628.1 Mio
Personalaufwand 2009: 681.2 Mio

Das heisst: der Zuwachs betrug 53.1 Millionen. Die Krone für den gröbsten Fehler gehört Kurt W. Zimmermann von der Weltwoche (26.9 Mio), Silvio Bertolami von Saldo liegt 16.9 Mio daneben, kommt also nur auf Platz 2.

15. Juni 2010
 

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