Der Frauenstreik, die SRG und die Zahlen – ein Kommentar

Heute in einem Monat findet der zweite nationale Frauenstreik statt. Vor einer Woche hat die SRG ihre Position dazu kommuniziert. Erstaunlicherweise richtete sich das Communiqué in seiner französischen Version nur an die „collaborateurs“ …! (Siehe dazu unser Leitfaden zu einer gendergerechten Sprache).

Eines der Hauptthemen im Kontext des Frauenstreiks ist die Lohndiskriminierung. Umso überraschender sind deshalb die von der SRG präsentierten Zahlen. Die Kommunikation vom letzten Dienstag spricht nämlich von einer Lohndifferenz zwischen Mann und Frau von 2.4% innerhalb des Unternehmens. Bereinigt auf nicht-diskriminierende Umstands-Faktoren (die übrigens auch darauf beruhen, dass mehrheitlich männliche Berufsbilder und Arbeitsformen besser bezahlt werden als weibliche) betrage die Differenz sogar nur noch 1.5% .

Das SSM als Partnerin des jährlichen Lohngleichheitsdialogs mit der SRG haben wir uns erst mal verblüfft die Augen gerieben.

Ein Faktencheck: die letzten offiziellen Zahlen der Logib-Lohnanalyse des Bundes, die uns die SRG im Sommer 2018 vorgelegt hat zeigen einen rein geschlechtsspezifischen Lohnunterschied von 3.9%. Und nicht, wie am Dienstag kommuniziert, 2.4%. Bei einzelnen Unternehmenseinheiten sind es sogar deutlich über 4%. Nun ist aber seit letztem Sommer kein Gleichstellungswunder passiert, sondern man hat, wenige Wochen vor dem Frauenstreik, einfach die Messmethode „leicht angepasst“… [1]

Im Rahmen des Lohngleichheitsdialogs hatten sich SSM und SRG auf eine Toleranzschwelle von 3% geeinigt. Das bedeutet nicht, dass eine Lohndifferenz von 3% aufgrund des Geschlechts akzeptabel wäre, sondern lediglich, dass sich die SRG verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen, wenn diese Schwelle im Betrieb überschritten wird – was gemäss Logib seit 2013 kontinuierlich der Fall ist. Mit dem letztjährigen Stand von 3.9% liegt die Lohndifferenz bei der SRG deutlich über der 3% Schwelle – und nicht, wie suggeriert, darunter.

Das SSM wird dieser Tatsache auf den Grund gehen und die Geschäftsleitung um eine Erklärung bitten.

[1] Seit 2013 nimmt die SRG am sogenannten Lohngleichheitsdialog des Bundes teil. dabei werden statistische Kontrollen zur Erfassung der nicht erklärbaren, geschlechtsspezifischen Lohndifferenz durchgeführt. Im Rahmen der GAV Sozialpartnerschaft ist das SSM Teil des Lohndialogs.

 

 

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