No Billag hat Auswirkungen auf die ganze Medienbranche

Von Philipp Cueni

“Aus” für die SRG und “Aus” für die gebührenfinanzierten privaten Radio- und TV-Stationen – das wären die direkten Folgen, falls No Billag angenommen wird.

Aber: welches sind die möglichen Auswirkungen dieses Szenarios auf die Arbeitssituation der Medienschaffenden und die Medienbranche insgesamt in der Schweiz?

Mit “No Billag” würden 6’800 Arbeitsplätze direkt zerstört bei der SRG und den gebührenfinanzierten privaten Radio- und TV-Stationen. Davon abhängig würden indirekt weitere mindestens 6’700 Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft vernichtet, es geht dabei vor allem um Auftragsnehmer, Zulieferer und Geschäftspartner von SRG und Co.

Insgesamt rechnet eine Studie der “BAKBasel” mit einem Arbeitsplatzverlust von mindestens 13’500 Vollstellen. Diese bieten heute für geschätzte 17’000 – 20’000 Mitarbeitende eine Beschäftigung.
Weil mit einem “Aus” für die SRG auch 40 Millionen Franken, welche die SRG heute zum Schweizer Film beisteuert, verloren gehen, würde auch etwa ein Drittel der Arbeitsplätze im Filmbereich zerstört.
Diese massive Schrumpfung des Mediensektors wird vermutlich die Medienbranche insgesamt strukturell schwächen und noch mehr zu einer wirtschaftlichen Nische degradieren. Es besteht die Gefahr, dass die Medienwirtschaft unter eine kritische Grösse fällt, welche für eine gesunde Branche insgesamt nötig ist.

Oder kann der private Sektor diesen Produktionsbereich ersetzen, welcher mit der Abschaffung der Gebühren verloren geht? Die SRG produziert zum allergrössten Teil Programme, welche über den Markt alleine (Werbung, Pay-TV) nie und nimmer finanziert werden können. Ersetzt würden diese bedrohten Angebote und Arbeitsplätze also kaum.

Diese Schwächung des Mediensektors hat weitere strukturelle Auswirkungen, zum Beispiel auf die Ausbildung: Eine Ausbildung auf hohem Niveau macht nur Sinn, wenn reelle Chancen auf eine Arbeitsstelle und damit ein breiter Arbeitsmarkt besteht. Und ein gutes Ausbildungsangebot ist davon abhängig, dass sie von einer starken Branche eingefordert wird. Die SRG ist im Ausbildungsbereich ein wichtiger Player und Garant: mit hauseigenen Ausbildungsgängen in verschiedenen Berufen, mit Praktikumsplätzen und auch über ihre Mitträgerschaft an den Journalismus-Schulen.

Die SRG definiert Berufsstandards der Branche wesentlich mit. Zum Beispiel durch Ethik-Richtlinien. (Die SRG trägt übrigens – auch finanziell – den Presserat mit). Je weniger Medienschaffende und Medienhäuser solche Standards (bei Ausbildung, Ethik, Qualität) einfordern und garantieren, desto eher droht die Gefahr einer Verflachung dieser Standards.

Das gilt auch für Anstrengungen im Bereich der Gleichstellung – die SRG gilt hier als Trendsetter. Wie übrigens auch im Bereich der Arbeitsbedingungen. Die SRG hat mit dem SSM einen vorbildlichen Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen. Darin sind Prinzipien der Gleichstellung und für faire, branchengerechte Arbeitsbedingungen formuliert. Ein Wegfallen dieser SRG-Normen könnte für die Branche auch hier eine Nivellierung nach unten provozieren. Es gibt zumindest wenig Grund zur Hoffnung, dass die Verlagshäuser bei einem Wegfall der SRG ihre eigenen Arbeitsbedingungen verbessern würden.

Die SRG bietet heute fachlich attraktive und auch spezialisierte Arbeitsplätze, welche in der kleinen Schweiz ohne gebührenunterstützten Service public kaum mehr angeboten würden: etwa beim weltweiten Korrespondenten-Netz, in Spezialbereichen der Musikredaktionen, beim Dekorbau, für Multimedia-Elektroniker, im Hörspielbereich, bei den Live-Produktionen von Skirennen, usw.
Der technische Sektor der SRG hat ein weltweit anerkanntes Spitzen-Knowhow erreicht – bis hin zu Eigenentwicklungen bei der Radio- und TV-Technologie.

Ohne den Player SRG würde die Schweizerische Medienlandschaft weiter verkleinert und es besteht die Gefahr einer Marginalisierung. Berufsstandards, welche die SRG heute wesentlich positiv mitprägt, würden ohne die SRG unter Druck geraten. Mediale Berufsfelder und entsprechendes Knowhow, welche heute für die ganze Branche wichtig sind, verschwinden aus der Schweiz oder werden zumindest massiv geschwächt.

Weitere lesenswerte Artikel unter der SSM-Kampagnenwebsite www.madeinswitzerland.media.

 

 

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