SSM-Frauenkommission befürchtet Backlash bei der Gleichstellung

Der SRG-GAV galt bisher in der Schweiz als vorbildlich im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern. Diese Verbesserungen sind nicht vom Himmel gefallen. Sie basieren auf einer seriösen Gleichstellungsarbeit des SSM und der gewachsenen Sensibilität der SRG-Verantwortlichen für diese Themen. Diese Vorbildfunktion steht für den GAV 2013 zur Disposition. Zahlreiche Abbauforderungen der SRG zeigen dies, hier eine kleine Auswahl:

  • Reduktion der freien Wochenenden: Der aktuelle GAV sieht 29 freie Wochenenden (Sa/So oder So/Mo) vor. Bei den Sportjournalisten ist eine Reduktion auf 13 möglich. Die SRG möchte, dass diese Sonderregelung nicht nur für die SportjounalistInnen gilt, sondern für alle «begleitenden Berufe». Bei der Revision des Arbeitsgesetzes macht sich die SRG sogar dafür stark, die Zahl der freien Sonntage auf 12 herabzusetzen.
  • Zerstückelte Dienstpläne und überlange Arbeitstage: Die Bestimmung, wonach Arbeitsunterbrechungen von mehr als 2 Stunden als Arbeitszeit gelten, soll gestrichen werden. Das würde stark zerstückelte Dienstpläne erleichtern, z.B. solche, wo nach einer Präsenzzeit von 14 Stunden nur 7 anrechenbare Stunden anfallen.
  • MitarbeiterInnen im Stundenlohn fliegen aus dem GAV: Mitarbeitende, die mindestens 30% für die SRG arbeiten, sind heute dem GAV unterstellt. Eine Mehrheit ist im Monatslohn bezahlt. Nur Mitarbeitende die weniger als 50% und unregelmässig arbeiten, werden im Stundenlohn bezahlt. Die SRG möchte nun alle Mitarbeitenden mit Stundenlohn aus dem GAV rauswerfen. Die Konsequenzen sind klar: einerseits dürfte dies v.a. Frauen treffen, die öfter ein kleines Pensum haben. Andrerseits wird die SRG die GAV-Eintrittsschwelle schleichend generell auf 50% erhöhen.
  • Verschlechterung für Teilzeitarbeitende: Für TZ-Mitarbeitende, die regelmässig arbeiten und im Monatslohn bezahlt werden gilt: wenn sie mehr arbeiten, als vertraglich vereinbar, werden Überstunden mit einem 35%-Zuschlag ausgezahlt. Dieser Zuschlag ermöglicht, den Mehrverdienst zu versichern, namentlich in der PKS. Zudem deckt er den Ferienanteil ab. Die SRG will den Zuschlag auf 25% reduzieren – auch damit würden die flexiblen Teilzeit-Mitarbeitenden gestraft.
  • Peinlich: Nur Männer in der SRG-Verhandlungsdelegation: Ob dieser Rückfall im Bereich Gleichstellung mit der ausschliesslich männerbesetzten Verhandlungsdelegation der SRG zu tun hat ist Spekulation. Es ist aber auch hier ein Backlash gegenüber früheren Delegationen zu konstatieren. Es ist das erste Mal seit mehr als 20 Jahren, dass keine Frauen aktiv auf Seiten der SRG bei den GAV-Verhandlungen dabei sind, das ist für ein Service public Unternehmen nicht nur peinlich, sondern skandalös.

Falls die SRG mit ihren Forderungen durchdringt, so wird dies sowohl bei der Gleichstellung als auch bei der  Vereinbarkeit von Berufs- und Familien-/Sozialleben zu markanten Verschlechterungen führen. Dann müsste man sich fragen, ob die vollmundigen Versprechen im heutigen GAV wie beispielsweise: «Die SRG SSR verpflichtet sich, die Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen zu verwirklichen; sie bemüht sich, in dieser Frage Vorbild zu sein» nicht besser ersatzlos gestrichen würden.

 

 

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