Innerhalb weniger Wochen haben zwei der grössten Schweizer Medienhäuser neue Abbaumassnahmen angekündigt: am 14. September die SRG und am 5. Oktober Tamedia. Langsam gewöhnen wir uns an solche Meldungen. Doch das darf nicht passieren.
Tamedia: Eine Zusage mit Ablaufdatum
Vor zwei Jahren hatte Tamedia angekündigt, bis Ende September 2026 keine weiteren Journalistinnen und Journalisten zu entlassen. Kaum war die Frist abgelaufen, folgte die nächste Abbauankündigung: In den News-Redaktionen sollen 34 Vollzeitstellen gestrichen werden. Betroffen sind 41 Mitarbeitende, davon 28 in der Deutschschweiz, 9 in der Westschweiz und 4 im Print-Desk. Bis Ende Oktober sollen die Betroffenen informiert werden. Als Gründe nennt das Unternehmen die veränderte Mediennutzung, den schwachen Werbemarkt und den künftig «gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz». Dass sich Medienunternehmen verändern müssen, ist unbestritten. Doch die Anpassung darf nicht immer wieder auf Kosten der Mitarbeitenden gehen.
SRG: Den Maschinenraum trifft es am härtesten
Bei der SRG wurden die Abbaumassnahmen am 14. September und am 15. Oktober konkretisiert. Insgesamt sollen 285 bis 289 Vollzeitstellen wegfallen. Besonders stark betroffen ist der Bereich Operationen mit 173 Vollzeitstellen. Er umfasst die Technologie- und Produktionsbereiche in allen Sprachregionen. Rund 29 weitere Vollzeitstellen entfallen auf Support- und Querschnittsbereiche wie HR, Finanzen, Kommunikation, Public Affairs und den Stab. Die SRG begründet den Schwerpunkt bei Betrieb und Support damit, das publizistische Angebot möglichst schonen zu wollen. Doch in Technik, Produktion und Betrieb arbeiten Menschen, die selten im Rampenlicht stehen: Kameraleute, Tontechniker:innen, Regieassistent:innen, Studio- und Sendetechniker:innen, IT-Fachleute und Produktionsplaner:innen. Ohne sie gäbe es keine Sendungen, keine Livestreams und keine Berichterstattung. Ihre Arbeit ist eine Voraussetzung dafür, dass Journalismus überhaupt stattfinden kann. Wer hier massiv abbaut, riskiert, dass die vermeintliche Schonung des Programms zulasten der Qualität geht. Fehlen Fachleute und Kapazitäten hinter den Kulissen, spüren das früher oder später auch die Redaktionen und nicht zuletzt das Publikum.
Zwei Unternehmen, ein Muster
Die Ursachen unterscheiden sich. Bei Tamedia spielen die Renditeziele der TX Group eine wichtige Rolle, bei der SRG politische Entscheide zur Senkung der Medienabgabe. Beide Medienhäuser stehen zudem unter dem Druck sinkender Werbeerträge und veränderter Mediennutzung. Die Risiken für den Medienplatz Schweiz sind ähnlich: Die journalistische Vielfalt gerät unter Druck, die Arbeitslast der verbleibenden Mitarbeitenden steigt und die Unsicherheit wächst, gerade auch bei jungen Medienschaffenden. Und es ist absehbar, dass es nicht bei diesen Abbaurunden bleibt. Die SRG muss bis 2029 100 Mio. einsparen.
Jetzt ist Solidarität gefragt!
Das SSM steht an der Seite der Betroffenen bei Tamedia, bei der SRG und überall dort, wo Medienschaffende von Stellenabbau und Sparmassnahmen betroffen sind.
Eine lebendige, vielfältige und qualitativ hochstehende Medienlandschaft ist wichtig für unsere Demokratie. Sie braucht nicht nur Journalistinnen und Journalisten, sondern auch die Menschen und die Infrastruktur, die ihre Arbeit ermöglichen. Der fortschreitende Abbau gefährdet diese Grundlagen und damit nicht nur die Medienbranche, sondern auch unsere Gesellschaft.
Deshalb müssen wir jetzt zusammenstehen und Investitionen statt immer neuer Abbaurunden fordern. Damit es auch in Zukunft unabhängigen, kritischen und qualitativ hochstehenden Journalismus gibt, der als vierte Gewalt die Mächtigen kontrolliert und einen wichtigen Beitrag zu unserer Demokratie leistet.