Die Jahresrechnung 2025 der SRG belegt eine solide Finanzlage. Das Eigenkapital beläuft sich auf CHF 528 Mio., deutlich über dem selbst gesetzten Mindestziel von 40 Prozent der Bilanzsumme. Das leicht negative Jahresergebnis 2025 ist primär auf vorgezogene Restrukturierungsrückstellungen von CHF 49 Mio. zurückzuführen. Hinzu kommen nun rund CHF 100 Mio. aus dem Verkauf des RTS-Turms in Genf, die, wie die SRG kürzlich kommuniziert hat, im laufenden Geschäftsjahr als Buchgewinn anfallen werden. Selbst vorübergehende Bilanzverluste in den kommenden Geschäftsjahren stünden im Einklang mit der Finanzstrategie der SRG, die einen ausgeglichenen Haushalt im Vierjahresdurchschnitt vorsieht.
Mit grosser Überraschung aber stellt das SSM fest, dass die SRG trotz solider Finanzlage weiterhin am Abbauziel von 270 Mio. ab 2029 festhält. Dieses basiert unter anderem auf einer projektierten Einnahmeneinbusse von CHF 90 Mio. bei den kommerziellen Erträgen bis 2029 im Vergleich zu 2024. Diese Annahme ist jedoch nach wie vor nicht belegt: Die kommerziellen Erträge der SRG sind stabil, im Jahr 2025 waren sogar höhere Werbeerträge zu verzeichnen als im Jahr davor. Anders als von der SRG behauptet, ist hier also keine strukturell rückläufige Tendenz zu erkennen. Weiter wird die SRG im laufenden Jahr 35 Mio. als Teuerungsausgleich erhalten und es darf angenommen werden, dass das BAKOM einen Betrag in ähnlicher Höhe ausschütten wird. Immerhin hat die SRG heute angekündigt, dass sich der notwendige Sparbeitrag im Jahr 2027 um rund einen Drittel reduziert, nämlich auf rund CHF 80 Mio. gegenüber den bisher kommunizierten CHF 125 Mio.
Das SSM sieht sich in seiner Analyse in Bezug auf die positive Entwicklung der finanziellen Situation der SRG bestätigt und wiederholt seine Forderung: Der nötige Stellenabbau ist ohne Entlassungen umsetzbar. Jährlich verlassen Mitarbeitende die SRG auf eigenen Wunsch, durch Pensionierungen oder aus anderen Gründen. Über einen gewissen Zeitraum lässt sich der erforderliche Stellenabbau daher durch natürliche Fluktuation, verbunden mit einer gezielten, internen Stellenrotation, erreichen, begleitet von einer umfassenden Umschulungs- und Weiterbildungsstrategie, die mit den bestehenden Restrukturierungsrückstellungen finanziert werden kann. Denn die dafür nötigen Mittel sind vorhanden: Die Rückstellungen für Restrukturierungen betragen gemäss Jahresrechnung 2025 knapp CHF 50 Mio. als langfristige Rückstellungen für die bevorstehenden Massnahmen. Dazu kommen knapp CHF 24 Mio. kurzfristige Rückstellungen für Restrukturierungen im laufenden Jahr. Statt zur Finanzierung von Entlassungen sollten diese Mittel für eine ambitionierte Personalpolitik eingesetzt werden, die den Erhalt von Erfahrung, Wissen und Kompetenzen im Unternehmen im Fokus hat. Sollten diese Rückstellungen für diese Vorhaben vorübergehend nicht ausreichen, hat die SRG zudem die Möglichkeit, ihr Eigenkapital bis auf die strategische Untergrenze von 40 Prozent der Bilanzsumme zu reduzieren oder zu guten Konditionen Fremdkapital aufzunehmen.
Zwar hat die SRG angekündigt, dass im Rekrutierungsprozess darauf geachtet wurde, interne Bewerbung zu berücksichtigen und viele Stellen mit internen Mitarbeitenden zu besetzen, doch eine Strategie ist nicht erkennbar. Ein Konzept für Umschulungen und Weiterentwicklung sei in Erarbeitung, sagt die SRG, doch unklar ist, wie dieses finanziell dotiert ist und wie und welche Mitarbeitenden von Umschulungsmöglichkeiten profitieren könnten.
Die Mitarbeitenden benötigen eine positive Perspektive und eine Arbeitgeberin, die die Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden ernsthaft wahrnimmt. Gerade in einer grossen Transformation würde so ein wichtiges Zeichen gesetzt.
Das SSM fordert von der SRG deshalb auf Entlassungen zu verzichten, denn sie sind keine Notwendigkeit, sondern ein bewusster Entscheid. Weiter soll der von der SRG beschlossene Stellenabbau durch natürliche Fluktuation und gezielter, interner Stellenrotation umgesetzt werden. Die Entwicklung einer Umschulungs- und Weiterbildungsstrategie und deren Ausstattung mit genügend finanziellen Mitteln, um das firmeninterne Know-how im Unternehmen zu halten, muss schnell voranschreiten. Das SSM erwartet, dass die SRG eine verlässliche Perspektive für die Mitarbeitenden gewährleistet.