Während Susanne Wille in internen Rundmails an die Mitarbeitenden gerne von ihrer Sommerlektüre schwärmt (Humanoide Roboter und Large Language Models), haben viele Mitarbeitende einen ungewissen und fordernden Sommer hinter sich.
Die Personaldecke war bereits in den vergangenen Monaten in vielen Bereichen sehr dünn und die Arbeitslast sehr hoch, da aufgrund der anstehenden Sparentscheide vakante Stellen, wenn überhaupt, nur noch mit Verzögerung und temporär besetzt werden durften.
Nun hat die SRG den Angestellten erläutert, wie die erste Sparstufe von 80 Millionen Franken im Transformationsprogramm «Enavant» für 2027 umgesetzt werden soll. Dem SSM sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Teams mit minimalem Vorlauf über einschneidende Veränderungen informiert wurden. Angestellte klagen über Sprechverbote, beim Verkauf der Swiss Satellite Radios kümmert man sich um den Erhalt «des Charakters» der Programme – was das für die Angestellten bedeutet, welche die Programme überhaupt schaffen, wird mit keinem Wort erwähnt. Sendungen, in die man eben erst investiert, die man evaluiert und neu positioniert hat, werden jetzt wieder gekürzt. Viele Angebote werden angehalten, die Standards zu senken. Die Dienste vieler Freischaffender gelten nicht mehr als notwendig. Gespart wird auf Kosten des Inhalts, des Personals, der freien Mitarbeiter:innen und der Qualität, allerdings ohne dass das Programm im selben Umfang reduziert wird. Stattdessen setzt man auf angebliche Synergie-Effekte und künstliche Intelligenz – und das in einem enormen Tempo, ohne konkrete Umsetzungspläne. Die betroffenen Abteilungen wissen nur, dass sie mit weniger Personal gleich viele Inhalte produzieren müssen, obwohl die Personalsituation bereits extrem angespannt ist. Konkrete Lösungen für die Umsetzung fehlen nach wie vor.
Die Mitarbeitenden werden mit dieser Art von Kommunikation verunsichert: Entlassungen werden angekündigt, aber nicht ausgesprochen, Veränderungen kommuniziert, ohne Umsetzungspläne. Gleichzeitig besteht ein riesiger Veränderungsdruck und das Tempo, in dem die Transformation umgesetzt werden soll, ist zu hoch. Mittendrin die Mitarbeitenden, die unter enormem Druck gleichzeitig die Qualität der Programme gewährleisten müssen.
Die Delegiertenversammlung fordert die SRG auf, den Druck zu verringern, solange die Machbarkeit der Massnahmen noch nicht nachgewiesen ist. Das organisatorische Herumprobieren darf nicht auf Kosten des Personals gehen, die Mitarbeitenden dürfen nicht weiter mit unklaren Ankündigungen und Anforderungen, die sich manchmal im Laufe der Zeit ändern, verunsichert und unter Druck gesetzt werden. Der Umgang mit Direktbetroffenen des Stellenabbaus, aber auch der zahlreichen Abteilungen und Teams, die unter Zeitdruck die Massnahmen umsetzen müssen, muss sich ändern. Der Direktion fehlt derzeit offenbar das Verständnis für die Situation der Angestellten, welche selbst unter den Vorzeichen einer ungewissen Zukunft versuchen, ihr Bestes zu geben und die Qualität der SRG-Inhalte Tag für Tag zu gewährleisten.