Die SRG hat diese Woche das Sparziel von 80 Mio. Franken für das Jahr 2027 bestätigt - 45 Mio. weniger als ursprünglich angekündigt. Dies entspricht der Kritik und Einschätzung des SSM: Die finanzielle Lage der SRG ist besser als zu Beginn kommuniziert. Die Jahresrechnung 2025 weist ein solides Eigenkapital aus, hinzu kommen der Buchgewinn aus dem Verkauf des RTS-Turms und weitere positive Entwicklungen. Trotzdem hält die SRG am Sparziel von total 270 Millionen Franken bis 2029 fest. Sie verteilt die Einsparungen lediglich anders über die Jahre, nach dem Motto: «Wir sparen nicht weniger – wir sparen gleichmässiger» (siehe Medienmitteilung vom 17. Juni 2026). Für das SSM ist diese Haltung nicht nachvollziehbar, zumal die angenommenen Einbussen bei den kommerziellen Erträgen weiterhin nicht belegt sind und auf Annahmen beruhen.
Sparmassnahmen für 2027 in den Regionaleinheiten und im Bereich Angebot
Bei SRF, RTS und RSI sowie im nationalen Bereich Angebot sollen zwischen 83 und 87 Vollzeitstellen wegfallen. Die SRG betont, ein grosser Teil davon erfolge über natürliche Fluktuation und Pensionierungen, wobei teilweise auch Abgänge und nicht wiederbesetzte Stellen eingerechnet werden, was schwer überprüfbar ist. Auch wenn es gut tönt: natürliche Fluktuation zu nutzen ist kein sozialverträglicher Ausweg, denn auch diese Stellen sind weg, die Arbeit bleibt bei den verbleibenden Angestellten. Und Kündigungen werden – trotz natürlicher Fluktuation und Frühpensionierungen weiterhin ausgesprochen – und zwar in allen Bereichen.
Viele offene Fragen bei Operationen
Der grösste Brocken steht aber noch aus. Der nationale Bereich Operationen muss 30,7 Mio. Franken einsparen, mehr als alle Regionaleinheiten und der Bereich Angebot zusammen. Wie viele Stellen hier wegfallen, ist nach wie vor offen, die Personalgespräche folgen erst im Oktober. Die rund 2200 Mitarbeitenden, ein Drittel der gesamten SRG-Belegschaft, haben in den vergangenen Monaten eine tiefgreifende Reorganisation durchlaufen und sie wurden eben erst neuen Teams zugeteilt. Nun hält die SRG selbst fest, dass sie trotz dieser Zuteilung noch von Personalmassnahmen betroffen sein könnten.
Umbau der Arbeitsabläufe, Unklarheit beim Ausbau von KI-generiertem Content
Was die Arbeitnehmenden neben der Ungewissheit und dem Stellenabbau zusätzlich belastet, ist die Veränderung der Arbeitsabläufe. In allen Sprachregionen sollen Produktionsweisen und Standards harmonisiert und teilweise nach unten angepasst werden, um Kosten zu sparen., Die Teams ändern ihre Struktur und sollen zukünftig polyvalent arbeiten. Das heisst, die Synergien zwischen den Regionen sollen vermehrt genutzt werden, indem Inhalte gegenseitig übernehmen und weiterverwertet werden. Vermehrt sollen diese aber auch mit KI-Unterstützung erstellt werden. Die SRG kürzt zudem Beiträge an Orchester, reduziert Erstausstrahlungen und verzichtet ab 2027/28 auf Live-Spiele der Champions League. Sendeplätze werden gestrichen oder ins Digitale verschoben. Was auf dem Papier effizient klingt, müssen die Mitarbeitenden in einer Hauruck-Aktion bis Ende Jahr umsetzen. Diese Veränderungen werden daher kaum ungehört und ungesehen am Publikum vorbeigehen.
Das SSM hält an der Forderung vom Juni fest: die SRG soll auf Kündigungen verzichten, den Stellenabbau über natürliche Fluktuation und interne Stellenwechsel umzusetzen, begleitet von einer ausreichend finanzierten Umschulungs- und Weiterbildungsstrategie. Die Mittel dafür sind wie aufgezeigt vorhanden. Insbesondere wird gefordert, dass die Kommunikation, gerade für die vielen Mitarbeitenden im Bereich Operationen, verbessert wird. Die Menschen brauchen jetzt eine verlässliche Perspektive, nicht eine weitere Vertröstung auf Informationen im Oktober. Zudem soll der Transformationsprozess umsichtig umgesetzt werden, denn die vielen Änderungen in den Programmangeboten treffen Angestellte und Abteilungen, welche sich jahrelang für die entsprechenden Inhalte engagiert haben. Zudem fordert das SSM eine Klärung in Bezug auf den Ausbau von KI-unterstützten Inhalten und den mittel- bis langfristigen Konsequenzen für die SRG-Mitarbeitenden, die daraus resultieren. Denn nach wie vor ist nicht klar, welche Funktion KI bei von der SRG produzierten Inhalten übernehmen soll und wie weit der Einsatz dereinst reichen soll.